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Der stille dritte Beobachter
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Feb02

Anonym ad ACTA?

by Michael on Februar 2nd, 2012 at 22:26
Posted In: Medienlandschaft, Web

Nun steht sie also so gut wie vor der Tür – die Vorratsdatenspeicherung. Nur bekommt sie ein neues Aussehen in Form eines Abkommens zwischen mehreren Nationen und Staatenbünden. Der Name dieses Handelsabkommens lautet ACTA, die Abkürzung für Anti-Counterfeiting Trade Agreement. Mit ACTA haben die teilnehmenden Länder nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit festgelegt, wie Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen bekämpft werden kann. Die Verhandlungen zu diesem zugegebenermaßen fragwürdigen Vertrag begannen mit dem G8-Gipfel 2006 in Sankt Petersburg.

Alle Mitglieder von ACTA sind mit ihrem Beitritt befugt, nicht nur einzelne User für Urheberrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen, sondern auch die Internet-Provider. Diese werden, sobald ein Verdacht besteht, aufgefordert, gespeicherte Vorratsdaten, etwa welche Seiten ihre Kunden besuchen oder was von den meisten im Web runtergeladen wird, für die Ermittlungen zur Verfügung zu stellen.  Ferner machen sich nicht nur Produktpiraten strafbar, sondern auch Anstifter und Mithelfer. Das Ganze ist so gedacht, dass die Webanbieter nicht zur Rechenschaft gezogen werden, eher sollen sie zu Mithelfern für das ACTA-Komittee werden.

Dieses Komitee wurde für das Abkommen ebenfalls gegründet. Es soll dazu dienen, die Einhaltung des Vertrages zu überwachen und über Vorschläge zur Änderung oder Überarbeitung von ACTA zu beratschlagen. Dadurch, dass die Verhandlungen seit 2006 unter Ausschluss der Öffentlichtkeit stattfanden, umgingen die Nationen äußerst geschickt die Teilnahme der World Intellectual Property Organization, kurz WIPO. Diese Organisation wurde allerdings gerade für solche Sachverhalte als demokratischer Körper gegründet. Allerdings würde die WIPO mehr Transparenz zulassen, indem die Öffentlichkeit von solchen Verhandlungen erfährt.

Die Maßnahmen sollten nun nach dem Three-Strikes-Prinzip durchgesetzt werden. Was beim Baseball den Ausschluss bedeutet, soll hier auch angewendet werden. Die Internet-Anbieter sollen ihre Kunden selbstständig nach dem dritten Vergehen vom Internet “aussperren”. Nur durch die ständige Überwachung des Surfverhaltens der User, die damit nötig wäre,  können sich die Betreiber der Verantwortung einer Straftat entziehen. Selbst die nur zu statistischen Zwecken bereits angewandte Vorratsdatenspeicherung der Anbieter ist damit zur Einsicht freigegeben. Das würde massive Eingriffe in die Privatsphäre der User bedeuten.

Viel kritisiert wird zu dem Thema auch die schwammige Formulierung über die Umsetzung der Maßnahmen. Zudem wird noch befürchtet, dass geltende EU-Rechte überschritten und ACTA nicht nur zur Bekämpfung von Produktpiraterie dienen soll, sondern ganz gezielt Daten der Bürger anlegen soll. Widersprüchlich ist auch die Tatsache, dass in Deutschland die Überwachung des Fernmeldeverkehrs inklusive Vorratsdatenspeicherung nur dann erlaubt ist, wenn sich der Überwachte einer schweren Straftat schuldig gemacht habe. Dazu gehören allerdings Verbrechen wie “Hochverrat” oder “Gefährdung der demokratischen Ordnung”.

Am 30. September 2011 haben die ersten Länder den Vertrag unterschrieben. Die Europäische Union folgte mit weiteren Teilnehmern am 26. Januar 2012. Piratenparteien aus anderen Ländern führten bereits Demonstrationen durch, allen voran in Polen, wo in achtzehn Städten mehrere zehntausend Leute auf die Straße gingen. Die Piratenpartei Deutschland hat einen weiteren Protestbeitrag in Form einer massiven Demonstration für den 11. Februar 2012 geplant. Die politische Plattform Avaaz hat bereits 1,5 Millionen Online-Unterschriften gesammelt.

Den meisten unter uns dürfte wohl klar sein, dass eine weitere Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland nicht mehr nötig ist. Sie ist bereits da –  nur anders als alle dachten.

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Dez30

High- & Downlights 2011

by Michael on Dezember 30th, 2011 at 20:56
Posted In: Allgemein

Das Jahr geht bald zu Ende, das Jahr in dem dieser Blog ins Leben gerufen wurde. Schaut man nun auf die Anzahl der bisher veröffentlichten Artikel, bin ich wirklich überrascht. In jedem Monat gab es mindestens ein Thema, das mir für einen ausführlichen Artikel interessant genug erschien. Besagte Ausführlichkeit war von Anfang an auch beabsichtigt. Anders als in den meisten Blogs, die vom Autor oft mehrmals, aber mindestens einmal am Tag mit neuen Inhalten gefüllt werden, sollte bei diesem Pendant ein gewisser Tiefgang Einzug halten. Das erklärt, warum nur ein bis zweimal im Monat etwas Neues erschien.

Im März 2011 gestartet, sorgte der dritte Artikel in diesem Monat bereits für eine kleine Empörung unter den Lesern. Auch wenn mich manche dieser Leute noch immer für das, was ich geschrieben habe, hassen mögen: Mir hat diese hitzige Diskussion Spaß gemacht. Bei den nächsten Artikeln ging es bewusst um etwas seichtere Themen, um die Gemüter wieder zu beruhigen. Ich war und bin schließlich kein renommierter Schreiber, der publizieren kann, was er will. Darum werde ich voraussichtlich keine weiteren Kategorien in diesem Blog aufnehmen. Eben weil ich nur in diesen Bereichen etwas weiß und darüber sauber recherchieren und schreiben kann.

Die Kategorie Development kam im September allerdings hinzu, da ich zu der Zeit beruflich vom Mediendesign ins Lager der Softwareentwickler gewechselt bin. Und da dieses Gebiet eine nahezu unerschöpfliche Quelle an Informationen beinhaltet, wurde es extra ausgegliedert. Im Oktober dieses Jahres verstarb Steve Jobs, Apple-Mitbegründer und einer meiner wenigen Vorbilder. Momentan lese ich seine Biografie, wenn ich diesen 700-Seiten-Wälzer durchgelesen habe, werde ich von diesem Werk natürlich in den nächsten Beiträgen berichten. Aber erst nachdem ich mein neues iPhone ausgetestet habe…

So bleibt mir nur zu sagen: Ein frohes neues Jahr, macht euch erst gar keine guten Vorsätze, dieses Thema ist mittlerweile erschöpft. Und an alle, die sagen, ich schreibe nur Müll: Ich wünsche auch euch alles Gute, denn Ihr gehört genauso zu meiner Leserschaft.

Euer Michael Eichhammer

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Okt12

Test-Spiegel

by Michael on Oktober 12th, 2011 at 20:46
Posted In: Medienlandschaft, Web

Das Ende der Spielepresse?Über einen Monat ist es jetzt her, das Christian Schmidt eine Diskussion in der Computerpielegemeinde entfachte, indem er im SPIEGEL vom 6. September mit dem Artikel “Mehr Geist bitte, liebe Games-Tester” einen empfindlichen Nerv der Vertreter dieser Zunft traf. Schmidt schrieb in seinem Essay von einer überalterten Form der Berichterstattung, insbesondere bei den Vertretern der Printmedien, von denen jedoch keine direkt genannt wird. Der Fachjournalist mit 13jähriger Erfahrung im Bereich Computerspiele war zuletzt selbst noch als stellvertretender Chefredakteur beim PC-Spielemagazin Gamestar tätig.

Ob nun der letzte Artikel im SPIEGEL eine eigene Frustration Schmidts wiederspiegelt, kann man nicht genau sagen. Von den Personen, die sich angesprochen fühlten, waren zumindest ein paar dieser Ansicht, allen voran Mick Schnelle. Ebenfalls ein Ex-Gamestar und Kollege von Christian Schmidt für mehrere Jahre. Sein offener Brief verurteilt den SPIEGEL-Artikel zur Verachtung der alten Branche, die Schmidt federführend hätte mitgestalten können. Jörg Langer, erster Chefredakteur der Gamestar meldete sich ebenfalls in den danach folgenden Kommentaren, bezog allerdings eine deutlich neutralere Position zwischen Gegnern und Befürwortern.

Nun liegt das Ganze schon wieder über einen Monat zurück und ist schon fast wieder vergessen. Was ich persönlich etwas bedauerlich finde. Auch wenn ich nicht in allen Punkten mit Herrn Schmidt einer Meinung bin, hat er die Thematik um die Zukunft der Spiele-Berichterstattung zur richtigen Zeit angesprochen. Ich selbst zählte einst zur treuen Leserschaft der ersten Stunde (Gamestar 12/97-8/04), danach verflog das Interesse an PC-Spielen und den dazugehörigen Magazinen. Und es keimte auch nicht wieder auf, als ich aus Neugierde die diesjährige April-Ausgabe meines alten Lieblings-Magazins kaufte.

Es war einfach nicht mehr wie früher, als man Testberichte, Reports und Previews einen ganzen Monat immer wieder rauf und runter gelesen hat. Viel zu lesen gibt es eh nicht mehr, der momentane Umfang hat in etwa halb so viele Seiten wie vor 10 Jahren. Ein Missstand, der in den vorher genannten Artikeln aufgrund unzureichender Bezahlung der Fachjournalisten zurückgeführt wird. Petra Fröhlich von PC Games verurteilt dagegen die Spiele selbst als mittlerweile “platt” und einer inspirierten Kritik nicht mehr wert. Bedeutet das etwa schon den unabwendbaren Untergang der Spielepresse?

Hoffentlich nicht, denn das Erscheinen von Christian Schmidts Artikel wäre nicht nur nach meiner Meinung ein idealer Zeitpunkt, um alle Beteiligten an einen Tisch zu setzen. Offenbar verstehen die Presseorgane nicht, was Spieler wollen. Oder die Spieler kaufen keine Magazine mehr, weil sie das vermeintlich gute Testsystem vielleicht in Wirklichkeit für abgehoben halten. Diese oder ähnliche Diskussionen könnten wieder für frischen Wind unter den (Print-)Medien sorgen und auch schon vergraulte Leser (wie mich) wieder zurück ins Boot holen. Sofern das Thema nicht schon wieder begraben wird.

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Sep26

Hallo Welt!*

by Michael on September 26th, 2011 at 20:36
Posted In: Medienlandschaft, Development, Medienlandschaft, Web

PHP & MySQLSo, nun ist es soweit. Aufgrund meines Beginns zur Ausbildung als FIAE (Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung) heisst es nach langer Zeit mal wieder Fremdsprachen lernen. Kein Spanisch, kein Suaheli sondern digitale Varianten wie PHP, Java, C# und noch mehr. Angefangen wurde firmenspezifisch mit PHP und allem was dazugehört wie MySQL und ein bisschen Smarty. Wer schon lange den Wunsch hegt, selber von Grund auf PHP zu lernen, dem kann ich nur die Seiten von Claudia Unkelbach (www.schattenbaum.net/php) und Peter Kropff (www.peterkropff.de) ans Herz legen, bevor er sich von der Masse der Tutorials erschlagen lässt.

Wer mit PHP programmiert, braucht natürlich eine gute Programmierumgebung. Wer keinen Server mit MySQL-Datenbank sein Eigen nennt, dem wird eine excellente Alternative mit XAMPP (www.apachefriends.org) geboten. Hier ist alles dabei, das Programm simuliert einen konfigurierten Apache-Server inklusive PHP-Interpreter und MySQL-Datenbanken. Zum Erstellen des Programmcodes reicht im Prinzip ein einfacher Editor der zumindest über Syntax-Highlighting verfügt. Noch besser gehts mit richtigen IDEs wie Eclipse, Weaverslave oder Netbeans. Ich benutze Letzteres.

Die bisherigen Fortschritte meiner Programmierkünste möchte ich natürlich keinem vorenthalten. Keine Panik, wer mit Programmierungen dieser Art nicht vertraut ist, kann die vorgestellten Scripte natürlich auch als User verwenden. Um das Gelernte in eine einigermaßen brauchbare Thematik zu verpacken, habe ich ein Programm erstellt, mit dem sich die eigenen Filmmedien katalogisieren und verschieden ausgeben lassen. Begonnen hat das Ganze natürlich mit der Version 1.0, doch ich beginne hier mit der Version 6.1. Die alten Versionen sind schlicht und ergreifend nicht mehr nachvollziehbar.

XAMPPIn der neu erstellten Download-Sparte findet man movie database in allen vorgestellten Ausbaustufen. Jede Version beinhaltet im Ordner data die Datei db_connect.php. In dieser Datei müssen die Zugangsdaten der Datenbank eingetragen werden. Ansonsten muss nichts beachtet werden, das Programm erstellt selbst seine Tabellen und man kann sofort Datensätze per Hand oder auch über die CSV-Schnittstelle einfügen. Der Code ist für Programmierer übersichtlich in eine Funktions-Klasse und in eine MySQL-Klasse geteilt und alle Funktionen sind ausführlich kommentiert. Auf das Design wurde noch kein Wert gelegt.

Das ändert sich in der nächsten Ausbaustufe movie database 7 radikal. In dieser Version wurde ein Framework mit Smarty-Templates implementiert. Wer noch nie damit gearbeitet hat, wird sich am Anfang fragen, wo bei Smarty die Vorteile sein sollen. Diese liegen bei unserem Beispiel auch auf der Hand, der Designer kann getrennt vom Entwickler arbeiten, Erweiterungen und Updates können viel schneller und einfacher integriert werden. Entwickeln mit Smarty kann ich jedem PHP-Coder nur empfehlen, auch wenn dadurch die Lernkurve steigt. Der Aufwand lohnt sich jetzt und auch später.

Smarty Template Engine

Dies bedeutet allerdings auch, dass unser PHP-Interpreter Smarty verstehen muss. Kein Problem, unter www.smarty.net findet man alles was man braucht inklusive Handbuch. Darum werde ich Installation und Konfiguration hier nicht erläutern, wichtig ist ab movie database 7 alle Smarty-Konfigurationsparameter in die Datei smarty.php, die sich im Ordner data/configs befindet, einzutragen. Das Smarty-Hauptverzeichnis soll sich immer im root-Ordner des Servers befinden, das erleichtert das Programmieren im Nachhinein um Einiges.

Einige Tester haben die Usability von movie database 7 bemängelt. Die wird mit dem ServicePack 1 nochmal verbessert, zusätzlich wurden einige Sicherheitslücken ausgemerzt (Stichwort $_REQUEST). Weitere Übungsbeispiele wirds erst mal nicht geben, geplant ist zwar noch ein Update mit PHP Data Objects und Prepared Statements, allerdings wird das noch eine Weile dauern. Die angebotenen Skripte dürfen natürlich ohne Einverständnis meinerseits verwendet werden, angehende Programmierer können das Material nach ihrem Geschmack anpassen oder erweitern. Profis dürfen es verbessern oder hier auch (vernünftig) kommentieren.

*”Hallo Welt!” ist bei den meisten Programmiersprachen als erster Ausgabesatz sehr beliebt.”

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Aug19

Softwars: Der erste Browserkrieg

by Michael on August 19th, 2011 at 18:03
Posted In: Medienlandschaft, Retro, Medienlandschaft, Web

„Microsoft lief Gefahr, durch den technologischen Fortschritt bedeutungslos zu werden.“

Brad Silverberg, bis 1999 Mitarbeiter bei Microsoft

Der zweite Netscape Navigator

Wir befinden uns im Jahre 1990. Das World Wide Web steckte wahrlich noch in den Kinderschuhen, es war die Zeit des HTML 2.0-Standards. Abwechslungsreiche Formatierungen waren gänzlich unbekannt, die damaligen Nutzer des Internets kamen aus der Industrie. Nur wenigen war das Potential dieses Info-Pools bewusst und keiner kam auf die Idee, das Web für Multimedia zu nutzen und Inhalte für den privaten User bereitzustellen. Die Browser dieser Zeit hießen ViolaWWW und NCSA Mosaic. Es waren die ersten ihrer Art, die neben Text auch Bilder anzeigen konnten, ohne diese extra zu laden.

Diese mageren Voraussetzungen waren nicht sehr komfortabel zu nutzen und verhalfen nicht zum Durchbruch des Internets. Das sollte sich in diesem Jahr schlagartig ändern. Die aufstrebende Softwareschmiede Netscape Communications werkelte an einem Browser, der neben den bisher verfügbaren einfachen Websites auch Tabellen, Frames und wesentlich mehr Farben darstellen konnte. Der Netscape Navigator war geboren. Er bestand im Prinzip aus den alten Codezeilen des NCSA Mosaic und war in der ersten Version auch nicht besonders komfortabler. Das sollte jedoch bald ändern als neue Scripte erschienen und Multimedia ein Thema wurde.

Netscape Communications war eigentlich ein Hersteller für Server und deren Zubehör. Der Netscape Navigator wurde deswegen auch benutzt um die Nachfrage der eigenen Produkte zu steigern. Das funktionierte sehr gut und der Marktanteil des Browsers lag 1995 bereits bei 80 Prozent, was auch an der kostenlosen Verbreitung liegen dürfte. Die Entwickler portierten das Programm zu diesem Zeitpunkt auf viele Plattformen wie Linux und Mac OS. Viele Erweiterungen wie HTML-Editoren, E-Mail-Clienten und Messenger-Programme sorgten für weiteren Aufschwung, was den Börsengang von Netscape Communications zur Folge hatte.

Und Microsoft? Die bemerkten natürlich die Entwicklung von Netscape, schenkten dem Internet jedoch nach wie vor keine Beachtung. Das änderte sich in diesem Jahr schlagartig als Bill Gates bekanntgab, ebenfalls einen Browser zu entwickeln. Diese Wendung der Denkweise beruhte auf der Tatsache, dass der Netscape Navigator mit zahlreichen Programmier-Schnittstellen, sogenannten APIs aufwartete. Durch die Verbreitung auf anderen Plattformen, war es kreativen Entwicklern möglich, eigene Anwendungen zu schreiben und den Browser als Middleware zu benutzen – eine ernsthafte Gefahr der Windows-Vormachtstellung drohte.

Das Logo des ersten Internet ExplorersMicrosoft reagierte und der Internet Explorer erschien. Anfangs basierte dieser auch auf der NCSA Mosaic-Engine, wurde jedoch in Windeseile erweitert. Bill Gates schaufelte jährlich 100 Millionen Dollar in die Bereiche Entwicklung und Marketing. Begann das Team im Jahr 1995 mit 6 Mitarbeitern, waren es vier Jahre später bereits 1000. Soviel Angestellte beschäftigte Netscape nicht seit Firmengründung. Dieser Vorteil der Manpower verhalf Microsoft allerdings noch nicht zum Durchbruch. Der Internet Explorer war zu dieser Zeit noch Bestandteil des Erweiterungspaketes Microsoft Plus! für Windows und damit noch kostenpflichtig.

Zum Erfolg wurde der Internet Explorer erst, als die Version 4.0 mit dem Betriebssystem Windows 95 “vereinigt” wurde. Davor wurde die Version 3.0 auch schon mit dem älteren Windows 3.1 im Bundle ausgeliefert, die bedingungslose Integration des Browsers folgte allerdings erst mit dieser Version. Das bedeutete auch, dass der Internet Explorer nicht so ohne weiteres deinstalliert werden konnte, da er ein Teil des Betriebssystems war. Nun begann die Aufholjagd von Microsoft und Netscape schwebte in Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten. Mit Erweiterungen für Online-Banking und Webshopping sollte der Netscape Navigator die Nummer 1 bleiben.

Die Gedenktafel für den Mosaic-Browser an der University of Illinois

Diese Maßnahmen reichten zum Erhalt der Marktführerschaft, in die Netscape immer noch bedingungslos vertraute, nicht aus. Der Internet Explorer von Microsoft setzte sich durch. In dieser Zeit sank der Marktanteil des Netscape Navigators auf unter 4 Prozent, während das Pendant von Bill Gates noch über 90 Prozent erreichen sollte. So kam es dass Netscape Communications im Jahre 1998 von AOL gekauft wurde. Der Quellcode des Browsers wurde als Open-Source im Internet veröffentlicht und viele ehemalige Entwickler konnten nicht mehr beschäftigt werden.

Gegen Microsofts aggressives Marktverhalten drohten viele Konkurrenten mit Klagen, die fast ausschließlich außergerichtlich gegen hohe Zahlungen beigelegt wurden. Allein Netscape erhielt 750 Mio. US-Dollar. Da der Internet Explorer nun unangefochtene Nummer 1 war, wurde er kaum noch weiterentwickelt. Ein Versäumnis, das sich bald als Fehler herausstellen sollte. Die damalige Non-Profit-Gesellschaft Mozilla Foundation fischte den Code des Netscape Navigators aus dem Web und begann mit den Kenntnissen, einen eigenen Browser zu entwickeln. Doch es sollte noch bis 2003 dauern bis der Firefox veröffentlicht wurde. Der zweite Browserkrieg begann.

“Der Funktionsumfang von Mosaic entsprach in etwa dem Funktionsumfang des Internet Explorers von 2003. Er war nicht identisch, aber sehr ähnlich.”

Jakob Nielsen, Experte für Benutzerfreundlichkeit im Internet

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